Der Internet Explorer 11 wird von dieser Website nicht mehr unterstützt. Nutzen Sie stattdessen den neuen Browser von Microsoft. Er ist schnell, sicher und bietet hohen Datenschutz.
Hier können Sie Microsoft Edge herunterladen.

Marktbericht Juni 2022

Die allgemeine Marktlage


Der russische Einfall in die Ukraine ist eine Zeitenwende, der erschütternde Terror hält an. Die Märkte reagieren weltweit, konsequent und in vielen Fällen mit dramatischen Ausschlägen. Die langfristigen, besonders auch die indirekten Folgen sind oft noch gar nicht einzuschätzen. Entsprechend bestimmt noch mehr Unsicherheit das Geschehen und erhöhtes Risiko führt zu höheren Kosten. Der globale Agrar- und Lebensmittelmarkt ist stark betroffen, wenn nicht die Rohware oder direkte Substitute selbst, dann in jedem Fall über höhere Verarbeitungskosten, Verpackung und Transport. Hinzu kommt ein im Verhältnis zum USD schwacher EUR, der im Verlauf der letzten zwölf Monate kontinuierlich nachgegeben hat und USD-Importe im Vergleich zum Vorjahr aktuell um mehr als 13% verteuert. Jetzt ist ein vorausschauender und erfahrener Blick nötig, um Risiken nüchtern einzuschätzen aber auch mutig Entscheidungen zu treffen und die Versorgung zu sichern – Aufgaben des Händlers, besonders in unruhigen Zeiten.

Hinweise und Empfehlungen

Thunfisch

Starke Nachfrage traf auf schwache Fänge im West- wie auch Ostpazifik und dramatisch gestiegene Treibstoffkosten für Fangschiffe und Carrier – der Skipjack-Fischpreis in Bangkok und analog in Manta stieg deutlich von ca. USD 1. 600/t Anfang März auf nur knapp unter USD 2.000/t Ende April, ein Fünfjahreshoch. Bessere Fänge und eine temporär schwache Nachfrage der Canneries haben zwar jetzt Anfang Juni zu einem Preisrückgang geführt (Bangkok USD 1.600/t, Manta USD 1.750/t), die Korrelation zwischen Fischpreis und Treibstoffkosten (ca. 40% Anteil), also dem Rohölmarkt, wird aber wieder eindrucksvoll deutlich und schon deshalb ist grundsätzlich mit einem weiterhin festen Niveau zu rechnen. Historisch gesehen ist ein Skipjack-Preis um USD 2.000/t auch kein außergewöhnliches Ereignis, in den letzten 10 Jahren ging es schon über USD 2.400/t. Die typische Volatilität des Thunfischmarkts ist zurück und wir halten den aktuellen Rückgang für einen günstigen Zeitpunkt zu decken. Allerdings gelten neben dem Fischpreis auch hier die stark gestiegenen Kosten für Produktion (Energie), Verpackung (Dosenblech/Karton) und Transport (Seefracht). Gleiches gilt auch für zugesetztes Pflanzenöl, wobei vor allem der Nachschub von Sonnenblumenöl Probleme bereitet. Thunfisch kann für die nächsten Monate nicht günstiger werden, und darüber hinaus? – nobody knows!

Ananas

Die Sommerernte in Thailand läuft gut, für die Hochsaison Mai/Juni zeichnet sich jetzt sogar ein Ergebnis über dem letzten Jahr ab. In den ersten fünf Monaten waren es 600.000 t, ca. 50.000 t über Vorjahr und deutlich über 2020, aber immer noch weit unter dem langjährigen Durchschnitt davor. Vor dem regulären Shutdown zwischen Juli und September arbeiten die Fabriken jetzt mit maximaler Kapazität, die allerdings vielfach pandemiebedingt immer noch eingeschränkt ist. Der Rohwarenpreis liegt auf ausgeglichenem Niveau bei ca. 7 Baht/kg, Ausschläge sind nicht zu erwarten. Auch hier aber tritt die Bedeutung der Rohware zurück hinter die extreme Kostenentwicklung aller anderen Herstellungskosten (Energie, Dosenblech, Kartonage...) und natürlich auch des Seetransports. Alternative Ursprungsländer wie die Philippinen, Indonesien und Kenia sind davon ebenso betroffen und auch weit in die Zukunft ausgebucht. Ananas bleibt deshalb teuer und die Lieferkette muss weiterhin langfristig gesichert werden.

Mango

Die Alphonso Ernte im Süden Indiens hat wetterbedingt erst Mitte Mai begonnen und wird nur bis etwa Mitte Juli andauern. Das Ergebnis wird entsprechend mindestens 20% unter dem Vorjahr erwartet. Aktuell notiert die Rohware auf Rekordniveau und auch wenn sich dies im Verlauf der Saison noch etwas entspannen wird, ist mit einem deutlich festeren Markt für Alphonso- Mangopulpe zu rechnen. Neben der teureren Rohware drücken auch die Herstellungskosten (Löhne, Energie, Verpackung) sowie die nach den Covid-Beschränkungen im letzten Jahr wieder erstarkte lokale Nachfrage den Preis hoch. Ähnlich ist die Entwicklung für die Sorte Totapuri, wenn auch qualitativ und preislich auf niedrigerem Niveau. Das aktuelle Preisniveau für Pulpe und auch Mango-Chutney ist noch günstig, es wird nicht so bleiben. Wir raten jetzt langfristig zu decken..

Spargel

Die Ernte in China konnte bei günstigem Wetter pünktlich begonnen werden und es kann mit der maximalen Erntedauer von 100 Tagen gerechnet werden. Die Anbaufläche allerdings ist reduziert, insbesondere nach den großen Überschwemmungen in der wichtigen Anbauprovinz Henan im letzten Juli, und es ist insgesamt mit weniger Menge zu rechnen. Kostensteigerungen in der Produktion (Energie, Dosenblech, Kartonage) sowie die durch Corona weiterhin erschwerten Bedingungen (Lockdowns, fehlende Saisonarbeitskräfte) führen zu deutlichen Preissteigerungen im Ursprung um ca. 20%. Hinzu kommen dann die seit der letztjährigen Saison weiter gestiegenen Seefrachten und ein zum EUR festerer USD. Aus 2021 gibt es jetzt keine freien Bestände mehr und auch die ohnehin sehr geringen Mengen aus Peru sind weit in die Zukunft kontrahiert. Der Markt ist fest, für Abschnitte gilt dies besonders für 6-12mm, aber auch für größere Durchmesser und für Dosenware ebenso wie für TK-Spargel. Wir empfehlen dringend die Versorgung bis zum Sommer 2023 zu sichern, Entspannung ist nicht in Sicht.

Mais

Die Auswirkungen des Ukrainekriegs auf den globalen Agrarmarkt zeigen sich hier direkt und deutlich, die Börsennotierungen haben massiv angezogen. Analog verläuft die Preisentwicklung bei Gemüsemais in allen Ursprungsländern auch für die kommenden Ernten. Freie Bestände sind aktuell kaum zu finden, gut war beraten, wer langfristig und ausreichend gedeckt hatte. Der Ursprung China wird, insbesondere bei der Versorgung mit Großdosen, auch dieses Jahr trotz der hohen Seefrachten eine tragende Rolle einnehmen. Die grundsätzlich ganzjährige Ernte dort war wegen schlechten Wetters mehrere Wochen unterbrochen, läuft aber jetzt gut und die Fabriken arbeiten mit voller Kapazität. Nach extremen Niederschlägen im Norden Thailands stehen die Felder dort unter Wasser, für die nächsten drei Monate wird nur sehr eingeschränkt produziert. Indien gilt es weiter zu beobachten, qualitativ und auch preislich aber bisher nicht attraktiv. In Ungarn sind die Erwartungen gut, soweit spielt das Wetter mit, noch sind es aber fast zwei Monate bis zur Ernte. Spanien ist bereits ausverkauft, die Trockenheit drückt die Erträge deutlich. Insgesamt und zwar weltweit gilt auch hier: keine Überhänge, knappes Angebot aus neuer Ernte und hohe Produktionskosten. Der Markt wird fester laufen, die Absicherung der Versorgung hat Priorität, frühzeitig bis Mitte 2023 decken!

Jalapeños

Gute Versorgung bei grüner Ware aus der jetzt abgeschlossenen Ernte in Peru, bei Rot gibt es aber nur noch Restbestände und kann es eng werden, auf Spezialschnitte muss man sich bis August gedulden. Auch hier steigen die Kosten und somit die Preise, auch wegen inzwischen deutlich festerer Seefrachtraten im Fahrtgebiet von der Südamerika-Westküste..

Paprika/Peperoni

In der Türkei steht eine schwierige Saison bevor. Die bereits extrem hohe und weiter steigende Inflation bei einer im Verhältnis dazu relativ stabilen, weil staatlich gestützten Türkische Lira stellt die Exporteure vor große Probleme. Gleichzeitig verstärken viele Bauern den Anbau von Weizen, Mais und Baumwolle, um von den stark gestiegenen Weltmarktpreisen zu profitieren. Unsere Untersuchungen vor Ort in den entscheidenden Anbauregionen Manisa, Çanakkale und dem für die Frühernte wichtigen Gebiet Adana zeigen, dass dies deutlich zu Lasten des traditionellen Gemüseanbaus geht. Bei Capia- und ganz besonders bei Tomatenpaprika ist deshalb auch bei einer gut laufenden Anbau- und Erntekampagne mit knapper und sehr teurer Rohware zu rechnen. Noch enger sieht es bei Peperoni aus, hier werden die wenigen Fabriken, die wirklich zuverlässig liefern können, schon sehr bald ihre Orderbücher schließen müssen! Hinzu kommen die universell explodierten Kosten für Verpackung (Dose, Glas, Deckel, Karton), Energie und Transport. Bei Peperoni trifft die Ernte auf einen leeren Markt und bei Paprikakonserven sind die noch verfügbaren Bestände sehr überschaubar – wir rechnen mit Preissteigerungen um 30-50% und raten dringend dazu, die Versorgung für 2023 sehr rechtzeitig zu planen. Eine wirkliche Alternative zum Ursprung Türkei gibt es nicht.

Tomatenmark/Tomatenwürfel/Pizzasauce

Der Krieg in der Ukraine zeigt deutliche Auswirkungen, in allen Anbaugebieten Südeuropas wird großflächig zu Lasten von Tomate jetzt wegen der hohen Marktpreise mehr Weizen, Mais, Raps und Sonnenblumen angebaut. Wegen Wassermangel werden die Anbauflächen in Spanien stark reduziert, in Extremadura ca. -40%, Andalusien sogar -60%. Manche Kooperative dort hat beschlossen, die Produktion in diesem Jahr ganz ruhen zu lassen. In Summe erwartet AMITOM für die EU-Ursprungsländer aktuell einen Rückgang um -13,5% auf unter 10 Mio t, uns scheint das noch zu optimistisch. Die stark gestiegenen Kosten in der Landwirtschaft (Düngemittelpreise haben sich verdreifacht, Dieselpreis, Bewässerungsschläuche) führen zu einem Rekordniveau bei den gerade erst vereinbarten Rohwarenpreisen. Noch weiter zuspitzen kann sich die weltweite Lage, wenn Kalifornien durch die Wasserknappheit Erträge einbüßt und auch die Prognose für China scheint eher optimistisch. Aus der Ukraine fehlen dieses Jahr ca. 0,5 Mio t Rohware. In der Verarbeitung werden die Produzenten mit deutlich höheren Kosten insbesondere für Energie und Verpackungsmaterial konfrontiert. Die Unsicherheit ist groß und die ersten Offerten erwarten wir erst in den nächsten Wochen, gut zwei Monate später als in normalen Zeiten. Es muss mit drastischen Preiserhöhungen gerechnet werden, der Markt ist leer, die Nachfrage groß und das Angebot aus neuer Ernte wird deutlich kleiner ausfallen. Mutige, schnelle Entscheidungen sind nötig, um den Bedarf bis zum Anschluss an die Ernte 2023 zu sichern.

Getrocknete Tomaten

Auch in der Türkei wird in dieser Saison weniger Tomate angebaut (siehe auch „Paprika/Peperoni“) und ein größerer Teil als sonst wird ins Tomatenmark oder in den Frischmarkt gehen, die Preise sind für die Bauern attraktiv und sie sparen die aufwendige Trocknung. Führende Produzenten rechnen mit bis zu 1/3 weniger Rohware, die preislich ca. 30% (in EUR!) über dem Vorjahr liegen wird. Für die getrockneten Tomaten werden die Notierungen wohl noch stärker anziehen, es gibt keine freien Überhänge aus der letzten Ernte, der Markt ist leer. Mitte Juli erwarten wir erste Angebote, auch hier muss dann zügig entschieden werden. Wichtig bleibt, die Importe möglichst für den Jahresanfang 2023 zu planen, um in den Genuss des EU-Kontingent zu kommen. Im letzten Jahr war dies schon sehr früh kurz nach dem ersten Quartal erschöpft und ab dann sind 14,7% Importzoll fällig!!

Quinoa

Die Saison in Südamerika begann Ende April und läuft jetzt noch wenige Wochen. Nach einer sehr guten Ernte im letzten Jahr und niedrigen Preisen für weißes Quinoa wurde jetzt mehr Rot und Schwarz angebaut. Wegen der extremen Verteuerung wird Düngemittel nur noch begrenzt eingesetzt und es wird erwartet, dass der Ertrag dadurch um bis zu 30% niedriger ausfallen wird. Überhänge aus der letzten Saison sind geräumt und weißes Quinoa hat preislich bereits stark angezogen, Rot läuft noch seitwärts, das in der Menge weniger bedeutende und auch teurere schwarze Quinoa ist preislich leicht gefallen. Auch aus Südamerika ist Frachtraum knapp und die Frachtraten liegen für einzelne Routen sogar über dem Niveau aus Asien. Wir empfehlen eine zeitnahe Deckung des Bedarfs, da wir von weiter steigenden Preisen ausgehen.

Nachhaltigkeit

Gerade unter den besonderen Herausforderungen, vor die uns die aktuelle Welt- und Marktlage stellt, halten wir an unseren Werten fest und arbeiten gemeinsam mit unseren Partnern weiter an der ständigen Verbesserung der ökologischen und sozialen Aspekte entlang der Lieferketten. Wir haben dafür unseren „Code of Conduct“ neu gefasst, der als Grundlage für uns und die Zusammenarbeit mit unseren Geschäftspartnern dient.



BIOFACH 2022 in Nürnberg

26. - 29. Juli 2022 – Stand 9-226
Wir freuen uns auf Ihren Besuch!


Mit freundlichen Grüßen
HENRY LAMOTTE FOOD GMBH
(erstellt am 14.06.2022)





FortschrittZum Download [PDF]

Zurück zum News-Überblick kommen Sie hier.