Marktbericht Oktober 2020

Die allgemeine Marktlage

Die Saison auf der Nordhalbkugel nähert sich dem Ende, das Resümee steht fest: Trotz Corona und der damit verbundenen gravierenden Probleme konnten die Ernten meist gut abgeschlossen werden, die Versorgung ist gesichert. Es ist beeindruckend, mit welcher Kreativität und Flexibilität und in welchem Tempo alle Beteiligten den Corona-Herausforderungen entlang der globalen Lieferketten begegnen - ob im Ursprung auf den Feldern und in den Fabriken, in Transport und Logistik, in der Distribution sowie in der hiesigen Produktion und im Vertrieb. Verbunden mit rechtzeitiger und ausreichender Bestandsführung schafft dies Stabilität und Vertrauen im Markt, auch für die wohl noch bevorstehenden schwierigen Monate dieser weltweiten Pandemie-Krise.

Hinweise und Empfehlungen

Thunfisch: Wieder ist Skipjack in Bangkok genauso schnell gefallen wie der Preis zuvor gestiegen war. Ende August im Peak bei USD 1.600/t liegen die Notierungen jetzt bei knapp unter USD 1.300/t. Und dies trotz konstant schwacher Fänge, wozu auch der jetzt gerade beendete dreimonatige „FAD-ban“ beigetragen hat. Es fehlt Nachfrage, was auch an den im Verhältnis zu den Rohfischpreisen sehr günstigen Angeboten für verarbeitete Thunfischprodukte zu erkennen ist – Käufermarkt. Manta folgt dieser Bewegung notgedrungen. Wir empfehlen, den Bedarf zumindest bis einschl. zweites Quartal nächsten Jahres nun bald zu decken - oft dreht der Markt zum Jahresende und notiert dann zum Jahresbeginn weiter fest. Bei zunehmender Nachfrage nach MSC-zertifiziertem Fang empfehlen wir, auch hier nicht zu warten.

Tomatenprodukte: Weltweit wird zwar mit einem hohen Ergebnis gerechnet (ca. 38,2 Mio. t nach 37,4 Mio. t in 2019), allerdings werden es in den hier wichtigen Ursprüngen talien/Spanien/Portugal ca. 0,5 Mio. t weniger als erwartet. Schlechtes Wetter während der Erntemonate mit niedrigen Erträgen (Andalusien <50% des Vorjahres!) sind die Ursache. Dies trifft auf geräumte Bestände aus dem Vorjahr und eine unverändert sehr starke Nachfrage. Der steigende Preistrend setzt sich fort, es werden nach der Saison kaum freie Mengen verfügbar sein, und auch China (5,5 Mio. t) und Kalifornien (10,3 Mio. t) werden nicht einspringen können. Die Versorgung bis in den Herbst 2021 muss jetzt gesichert werden! Ein gutes Finale hat das Ergebnis für getrocknete Tomaten aus der Türkei gerettet, gute Versorgung auch für gefrorene halbgetrocknete Tomaten, erst ab Januar aber steht wieder ein EU-Zollkontingent zur Verfügung.

Paprika/Peperoni: Die Ernte in der Türkei läuft jetzt bis zum ersten Frost aus. Wegen schwacher Nachfrage aus dem GV-Markt wurde weniger angebaut und auch die Wetterkapriolen im Juli führten zu Einbußen. Insgesamt aber reicht das Angebot, ausgeglichener Markt. Neben den Belastungen durch Corona, z. B. durch fehlende Saisonarbeiter und schwache Produktivität in den Fabriken, müssen Bauern und Produzenten starke Preiserhöhungen für alle importabhängigen Betriebskosten verkraften. Die türkische Lira hat innerhalb eines Jahres ca. 1/3 ihres Werts gegen den EUR verloren. Entsprechend aber auch wird dies wiederum durch die EUR-Einkaufswährung kompensiert, das Preisniveau hat sich jetzt auf das Vorjahr eingependelt. Wir haben aus neuer Ernte jetzt auch Paprika-Streifen und -Würfel in BIO-Qualität vorrätig.

Kirschpaprika: Noch gibt es geringe Bestände, die aber bald vergriffen sein werden. Für die neue Saison wurde der Anbau in Südafrika deutlich reduziert, im Dezember beginnt dort die Ernte. Aufgrund der Präventivmaßnahmen gegen das Corona-Virus, z. B. die Abstandhaltung, muss die Mitarbeiterzahl deutlich reduziert werden, was die händische Entkernung in den Werken verzögert. Man sollte sich jetzt um die Anschlussversorgung für 2021 kümmern.

Jalapeño: Unverändert gute Versorgung aus Peru, neu jetzt auch BIO-Jalapeño (rot/grün, Ringe/Würfel) aus der Türkei.

Mais: Starke Nachfrage, Europa ist bereits ausverkauft. Thailand kommt erst ab Februar zurück; ob dann wieder wettbewerbsfähig, gilt es abzuwarten. Die Versorgung aus dem Südwesten Chinas ist qualitativ und quantitativ gut eingespielt. Gleiches gilt für Maiskölbchen aus Vietnam.

Kapern: Eine deutlich kleinere Ernte im Hauptursprung Marokko und auch in der Türkei kommt weniger Rohware aus Zentralasien (Kirgistan, Turkmenistan, Usbekistan) an. Wetterbedingt begann die Pflückung in Marokko spät und es fehlten Erntehelfer. Besonders kleine Kaliber (Nonpareilles und Surfines) sind knapp, Preise haben angezogen und werden weiter steigen. Decken Sie jetzt den Bedarf, es wird eng. Wir bieten ein breites Kapern-Sortiment, auch Pasten nach individueller Rezeptur und auch in zertifizierter BIO-Qualität.

Oliven: Die guten Erwartungen in Spanien müssen inzwischen eingeschränkt werden, nach einem sehr heißen Sommer fehlt jetzt Regen. Preise von dort werden ab Ende November vorliegen, zeitversetzt dann auch Italien, Griechenland und Marokko. Die Nachfrage nach BIO-Oliven steigt weiter, Griechenland erwartet höhere Preise auch für BIO-Kalamata/Kalamon. Wir beraten Sie gern für die jetzt beginnende Saison.

Pfeffer, grün: Die Verarbeitung im Südwesten Indiens beginnt im November, aktuell erwarten wir eine stabile Versorgung, allerdings wird auch hier wegen Corona mit Engpässen bei der Ernte gerechnet. Wir haben vorgesorgt und bieten alternativ zu Kanistern jetzt auch Vakuum-Polybeutel (2 x 10 kg/Kt.) mit nur wenig Aufguss, der zu entsorgen ist.

Sesampaste/Tahini: Zuerst die Heuschreckenplage, dann ein katastrophales Hochwasser - der Nordosten Afrikas leidet extrem. Dabei ist besonders Äthiopien als bedeutender Ursprung für Sesamsaat hart getroffen, es werden für die jetzt beginnende Ernte Verluste von mehr als 30% erwartet. Auch die Anbauregionen in Indien erwarten Einbußen durch Starkregen, so dass auch insgesamt mit einer angespannten Versorgung gerechnet werden muss. Bei gleichzeitig weltweit steigender Nachfrage ist mit höheren Preisen für Tahini zu rechnen. Für BIO-Qualitäten ist das bereits jetzt der Fall. Bitte stimmen Sie ihren Bedarf jetzt eng mit uns ab.

TK-Pilze, Shiitake/Mu-Err/Nameko: In China beginnt im November die Ernte, die Prognosen sind gut, Preise auf günstigem Niveau ähnlich wie im Vorjahr, allerdings macht sich die deutlich gestiegene Seefracht bemerkbar.

Ananas: Unverändert extrem schwache Rohwarenversorgung in Thailand zu Rekordpreisen, die Winterernte beginnt nur zaghaft, viele Fabriken bleiben zu oder haben mangels Rohware wieder geschlossen. Es bleibt in den nächsten Monaten bei einem Output von max. 50% des Normalen. Aus den anderen Ursprüngen - Philippinen, Indonesien, Vietnam, Kenia - kann das nicht kompensiert werden. Es dauert 18 Monate vom Setzling bis zur erntereifen Frucht, erst etwa Mitte des nächsten Jahres kann deshalb mit einer Entspannung gerechnet werden. Bis dahin gilt es die Versorgung zu sichern, soweit möglich haben wir dafür vorgesorgt.

Mandarinen: Spanien erwartet eine gute Ernte mit guter Versorgung von Satsumas für die Konservenproduktion, im November geht es los. Nach einer Rekordernte 2018/19 war das Angebot insbesondere von Satsumas 2019/20 deutlich reduziert und das Preisniveau aus Spanien extrem hoch. Jetzt ist mit einer Normalisierung zu rechnen, auch weil ebenso China gute Prognosen abgibt. Vorsicht bei der Qualität von Restbeständen die dort jetzt noch angeboten werden. Aus der Türkei wird mit einer durchschnittlichen Ernte gerechnet. Bitte stimmen Sie sich in den nächsten Wochen eng mit uns ab.

Feigen, getrocknet: Sowohl der Ertrag als auch die Qualität bleibt aus der diesjährigen Ernte in der Türkei hinter dem besonders guten Ergebnis 2019 zurück. Der extreme Verfall der türkischen Lira erlaubt günstige Preise, gute Qualitäten aber werden früh vergriffen sein, wir empfehlen jetzt zu decken.

Stand: 28. Oktober 2020